Alles scheint irgendwie im Umbruch zu sein. Allerorten, in pfarramtlichen Videokonferenzen, digitalen Teamtreffs, Telefonmeetings und Email-Rundschreiben und nicht zuletzt in der Facebook-Gruppe „Konfirmandenunterricht vorbereiten“ fragen sich viele, wie es mit der Konfizeit in Zukunft weitergehen kann. Kleine Gruppen, viel Abstand, Kennenlernspiele auf Zuruf, Einzelkonfirmation, Briefkastenchallenges, Maskenbälle …..

Weil sich gefühlt fast täglich die Nachrichtenlage und die Krisenregelungen ändern, heißt es für viele Akteur*innen abwarten, Füße still halten, mit vorschnellen Projektankündigungen zurückhalten.

Bis der Corona-Nebel sich etwas lichtet, bleibt vielen also etwas mehr Zeit als sonst, sich um all das zu kümmern, was liegen geblieben ist oder als häusliches Projekt schon längst mal angegangen werden sollte. Der eine baut ein schickes Hochbeet, die andere entrümpelt wahlweise den Keller oder den Dachboden, die nächsten testen die alten Gesellschaftsspiele, die eigentlich schon längst auf dem Flohmarkt verhökert werden sollten.

Der KAJAK-Blog wird am 1. Mai übrigens 5 (in Worten: fünf) Jahre alt. Echt jetzt. Deshalb nehme ich mir vor, der Seite eine etwas andere Gestalt zu verleihen. Irgendwie kommt alles in die Jahre, auch manches „Theme“. Und zur Feier des Tages gibt es Zitronenkuchen mit Kurkuma.

Ach ja, umziehen geht auch. Und die Wohnung renovieren. Wir schön, aus alt neu zu machen, Lebensräumen frischen Glanz zu verleihen und alte Schränke nach einem längeren Schlaf wieder in voller Pracht zur Geltung zu bringen.

Mal sehen, wie sich die Konfizeit demnächst präsentiert – digital und analog und überhaupt. Zunächst tanzen wir aber bitteschön erst mal in den Mai und demonstrieren, da wo wir Verantwortung tragen, (für mehr) Gerechtigkeit.

Für manche ist es die Öffnung des Einzelhandels. Für andere ist es die Erleichterung, sich nicht mit einem Virus angesteckt zu haben. Und für dritte ist es die pure Freude über die Auferstehung Jesu von den Toten.
Österliche Freundensprünge gibt es ganz aus dem Norden zu vermelden. Pünktlich mit Sonnenaufgang um 6:27 h am Ostersonntag wurde folgendes Video aus Flensburg online gestellt.

https://www.youtube.com/watch?v=WRt8SM5XW0w

Was man daraus lernen kann:

  1. Wie schnell aus der Vision, ein Krippenspiel auf BMX-Rädern zu inszenieren und dabei zu sehen, wie Maria und Josef Heiligabend durch den Mittelgang der Kirche rollen und eine Schar Engel mit ihren schwerelosen Stunts Gott in der Höhe loben, was auf ganz eigene Weise Abgefahrenes wird.
  2. Was alles geht, wenn kreative Menschen ihre Möglichkeiten in die Mitte legen und uns mitten in einer frustrierenden Krise mit einem spirituellen Kunststück verzaubern.

Dieses Video eignet sich perfekt, um damit auch mit Konfis zu arbeiten. Eine tolle Anregung findet sich hier:

Was mich übrigens besonders freut:
Das Gottesdienst in der Kirche hier nicht als überdurchschnittlich gefährdeter Virus-Raum rüberkommt.

Wer die ganze Entstehungsgeschichte lesen will:

https://www.kirchenkreis-schleswig-flensburg.de/nachrichten/artikel/nachricht/bmx-freudenspruenge-in-der-kirche.html

Die Zweibeiner fahren im Zweier und führen dabei zweisprachig ein Zwiegespräch. Egal, ob im Zweireiher oder im Zweiteiler, man mag keinen Zweitaufguss und labt sich am Zwieback. In trauter Zweisamkeit ist man nicht allein, obwohl man zu zweit oft gern allein ist. Zwilling, Zwille, Zwickel, zweischneidig…

Die Zahl der Wörter, die im Deutschen mit Zwei und Zwie gebildet werden kann, ist beachtlich.
Manchmal gilt die Zwei auch als „böse“ Zahl der Trennung und Gegenüberstellung – Zwietracht, Zwist, Zweifel – und des Zwei-Kampfes.
Platon, die Neuplatoniker und viele Denker des Mittelalters sahen in der Zwei die erste wirkliche Zahl, da für sie alle Zahlen ein Vielfaches von eins bedeuteten.

Ich sah die Zwei bildlich einprägsam beim Radeln über den Oldenburger Schlossplatz in: Verteilt auf dem Mäuerchen rund um das gelbe Prachtgebäude saßen ordentlich sortiert immer jeweils zwei Menschen zusammen – da gab es kontaktbeschränkt nichts zu meckern…. – und gerade eben auf der Dobbenwiese im herrlichen Spätnachmittagssonnenschein auch nicht.

Natürlich fallen mir im biblischen Zusammenhang auch sofort Zweier-Pärchen ein. Adam und Eva, Kain und Abel, Abraham und Sara, Jakob und Esau, David und Goliath, Maria und Elisabeth, Martha und Maria, Petrus und Paulus, Philippus und der Kämmerer aus Äthiopien…
Und in österlichen Zeiten natürlich die Emmaus-Jünger, die auf dem Weg zunächst enttäuscht miteinander rätseln, was die vergangenen Ereignisse denn für Folgen haben werden.

In den sozialen Kanälen tauchte – von bibelkundigen Digitalen gepostet, ein Wort Jesu aus Matthäus 18, 20 auf: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Und weil man zu dritt heutzutage unter freiem Himmel oft noch eine*r zu viel ist, wurde diese Zahl aus aktuellem Anlass durchgestrichen.
In diesem Bibelabschnitt geht es Jesus ja unter anderem um die Kraft des Gebets. Wenn zwei einmütig Gott um etwas bitten, soll es ihnen vom Vater im Himmel widerfahren.
Es gilt also – und darauf kommt es jetzt echt gerade an, Symbol hin und Krise her: Gemeinsam sind wir stark!

Wer hätte gedacht, dass das Thema Abendmahl in diesem Jahr so brisant ist und so viel Aufmerksamkeit bekommt. Und wie sich seit der letzten Blog-Beschäftigung mit diesem Thema unsere Welt verändert hat.

2019 haben Eva Brunken und ich ein Forum und eine Werkstatt zum Thema angeboten. Und auch bei der Erlebnisausstellung Jung&Konfi war das Abendmahl eine eigene Station. Und regelmäßig gibt es in einer Stadt die Gelegenheit, die Straßenaktion „Ma(h)l ganz anders“ zu erleben und natürlich interaktiv zu teilen.

Die alte Tradition des „Hausabendmahls“ gewinnt in diesem Jahr eine ganz neue Bedeutung. Es gibt viele schöne Tipps, das Abendmahl im Kreis der Familie zu feiern und sich in dieser besonderen Gemeinschaft zu erinnern und zu stärken.

Ein paar medienschöne Impressionen zum Thema:
Mahl ganz allein
Das letzte Ma(h)l
Osterzeitreise

Bonhoeffer für Notlagen

„Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten. Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.“

Am 9. April – in diesem Jahr Gründonnerstag – jährt sich der 75. Todestag Dietrich Bonhoeffers. 1945 wurde er im Konzentrationslager Flossenbürg aufgrund seiner Mitwirkung im Widerstand gegen das nationalsozialistische Terroregime hingerichtet – kurz vor der Befreiung des Lagers durch die US-Armee.

„Nach zehn Jahren“ lautet die Überschrift über diesem Text, den Bonhoeffer 1943 verfasste, zehn Jahre nach Adolf Hitlers Machtergreifung und nach Beginn des innerkirchlichen Streits um die richtige Positionierung der Protestanten gegenüber dem nationalsozialistischen Staat.

Bonhoeffers theologische und persönliche Gedankenwelt begleitet mich zeit meines christlichen Erwachsenenlebens. Und ich staune immer wieder, wie klarsichtig, tiefsinnig und ermutigend seine Glaubensaussagen sind.

Ich kann diesem Text in der Karwoche 2020 gute Einsichten auch angesichts der global-existentiellen Corona-Krise abgewinnen – vielleicht geht es auch anderen so.