Spiel mit, sonst verlierst du alles!

Ein Wettbewerb. Eine Schule. Und eine gewagte Idee:
Was, wenn jeder deine Umweltsünden auf deinen Social-Media Accounts sofort sehen könnte?
Würdest du dich zusammenreißen?
Nur noch so viel verbrauchen an Energie, Essen, einfach allem, dass das Icon deiner App grün bleibt statt rot?
Würdest du fair spielen? Oder…ODER???

Darum geht es in Kerstin Guldens Debüt Fair Play. Ein fesselnder Roman über ein Experiment, das außer Kontrolle gerät.
Auf der Oldenburger Kinder- und Jugendbuchmesse (Kibum) im November wurde Fair Play als bestes Jugendbuch ausgezeichnet.

Wer also noch kurz vor dem Weihnachtsfest noch ein passendes Geschenk für junge Menschen sucht…
Ok, in einer der Buchhandlungen meines Vertrauens habe ich das letzte Exemplar erwischt.
Na, zum Glück kann man es ja flugs per eBook oder als Hörbuch verschenken.

Kerstin Gulden, Fair Play. Spiel mit, sonst verlierst du alles!, Rowohlt-Verlag Hamburg 2021, als geb. Buch 18 €.


Basiswissen zum christlichen Glauben

Pünktlich zum Ersten Advent hat das CJD – das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands e.V. – zusammen mit Projektpartnern vier animierte Kurzfilme veröffentlicht, die mit vielen ansprechenden Bildern einladen, grundlegende Lebens- und Glaubensfragen zu stellen.

Das Angebot ist auf Youtube öffentlich zugänglich und bietet sich auch für die Arbeit mit Konfis und weit darüber hinaus an.
Könnte in Zeiten, da wir wieder nach ansprechenden digitalen Ideen suchen, eine gute Methode zum Einstieg sein.

https://www.youtube.com/watch?v=tgkIDX7YTZ4

https://www.youtube.com/watch?v=bUV3eMhYZ-M

https://www.youtube.com/watch?v=x5kHqe22bp0

https://www.youtube.com/watch?v=lRs8j6vFBM0

Commander Spock aus dem Star-Trek-Universum soll der erste gewesen sein, der das Wort Singularität geprägt hat. Damals ging es um Risse im Weltall und Schwarze Löcher. Zu noch größerer Bekanntheit ist der Begriff durch den preisgekrönten Bestseller „Die Gesellschaft der Singularitäten“ des Soziologen Prof. Dr. Andreas Reckwitz gekommen, den er 2017 veröffentlicht hat und dessen überzeugende und präzise Ausführungen seitdem den Diskurs innerhalb der Gesellschaftstheorie mit bestimmt.

Ich hatte die Gelegenheit, im Rahmen eines Studientages des Pastoralkollegs Niedersachsen in Hannover Andreas Reckwitz live zu erleben. Mindestens ebenso erhellend die Vorträge des Professors von der Humboldt-Universität aus Berlin waren die theologischen Anknüpfungen von Dr. Claas Cordemann aus Loccum.

Die organisierte Moderne, die von etwa 1920 bis Mitte/Ende der 1970iger Jahre reicht, lässt sich mit dem Stichwort der „Massenkultur“ beschreiben. Das Allgemeine ist das Normale. Standardisierte Wohnsiedlungen und Warenwelten stehen dafür ebenso wie Massenmedien, Rationalisierung, Volksparteien, Demokratisierung und die Orientierung am Allgemeinwohl. Wer zur „Gesellschaft der Gleichen“ gehören will, achtet darauf, nicht allzu sehr aufzufallen. Die sorgenvolle Frage: „Was sollen nur die Nachbarn dazu sagen?“ passt wunderbar in diese Zeit.

In den letzten Jahrzehnten hat sich mit der Spätmoderne ein Wandel vom Allgemeinen zum Besonderen vollzogen. Das neue Maß der Dinge sind die authentischen Subjekte mit originellen Interessen, einer kuratierten Biografie und einer beeindruckenden Performance. Das gleiche gilt für unverwechselbare Güter, abgefahrene Events und attraktive Städte. Im Sozialkulturellen findet ein Wertewandel statt hin zu einer Selbstverwirklichungsrevolution einer neuen akademischen Mittelklasse, deren einzigartige Kinder „florieren“. Die Ökonomie wird getragen vom Dienstleistungssektor (waren in den 70ger Jahren noch 50% der Erwerbstätigen noch im industriellen Sektor tätig, sind es aktuell nur noch 20%) mit einem ausdifferenzierten Konsumangebot für alle Lebensbereiche, das persönliche Befriedigung verspricht. Der dritte Faktor ist der technische Wandel durch die digitale Revolution. Von ARD und ZDF hin zum Wettbewerb um Aufmerksamkeit im Internet und den Sozialen Medien. Jede:r empfängt auf seinem Handy den einzigartigen Fingerabdruck seiner Surf-Reise durchs Netz. Geboren ist die „Gesellschaft der Singularitäten“ mit der Botschaft „The Winner takes it all!“ Und schon wird klar, dass diese sozial „fabrizierte“ und medial verstärkte Gesellschaft nicht eben nicht nur strahlende Sieger:innen kennt. Die neugierig-gespannte Frage: „Na, was sagen denn die Nachbarn?“ passt in diese Zeit.

Mir leuchten viele der Analysen von Andreas Reckwitz unmittelbar ein. Spannend ist in der Folge die Frage, was die Beschreibung der Gegenwart für uns als Kirche bedeutet. Dazu hat Claas Cordemann einige Gedanken formuliert, die zur Anknüpfung einladen:
1. Kirche ist selbst ein Teil der Gesellschaft der Singularitäten. Im Bemühen, traditionell-agendarische Formate mit singulären Erwartungen und Idee in Einklang zu bringen (Tauf-Events, Hochzeiten mit Hunden, die die Ringe zum Altar bringen, neue Gottesdienste) geht es darum, auf dem Markt weiterhin „sichtbar“ zu bleiben. Sichtbarkeit ist Relevanz.
2. Das Urbild des „Heiligen“ ist der Prototyp der Singulären. Spirituelle Sphären, magische Ort, Halt gebende Rituale, Priester, Dogmen etc. sind das Pfund, mit dem Kirche sich ins Gespräch mit der modernen Gesellschaft einbringen kann.
3. Das Sehnsucht nach Singularität entwickelt eine quasi religiöse Funktion. Wir sind in einer unübersichtlichen Welt auf der Suche nach Motivation und Sinn für unser Leben.
4. Wie gelingt es uns, das Evangelium so zu kommunizieren, dass einerseits die Singularitätserwartung an Performance erfüllt wird und zugleich der Imperativ der Selbstverwirklichung nicht als überfordernde Leistung interpretiert wird? Was bedeutet es für das Individuum, dass die Sehnsucht nach Anerkennung nach unserem Verständnis in diesem Leben nie vollends in Erfüllung gehen kann? Singularität bringt keine Erlösung. Vielleicht ist auch hier die Rechtfertigungslehre ein hilfreicher Ansatz: Die unbedingte Anerkennung erfährt der Mensch nur von Gott. So zu denken und zu glauben entlastet vom ständigen Druck der Selbstdarstellung und spaltet die Welt der Wertschätzung nicht auf in die, die es geschafft haben und die, die auf der Verliererstraße gelandet sind.

Was die Theorie der „Gesellschaft der Singularitäten“ für die Performance und die Inhalte unserer Konfizeit bedeutet, darüber muss ich noch mal genauer nachdenken… – bestimmt tun andere das ja auch 🙂

Wie kann die Kirche zukunftsfähig werden? Und was für eine Rolle spielt die Konfi-Arbeit dabei?
Mit diesen und anderen Fragen beschäftigten sich vom 8.-12. November die Konfi-Beauftragten der Landeskirchen auf ihrer Jahrestagung in Loccum.
Dabei entstanden einige Thesen, die angeregt diskutiert wurden.

Zum Schwerpunktthema „Konfi-Arbeit im Wandel von Kirche und Gesellschaft“ trug Dr. Sabrina Müller vom Zentrum für Kirchenentwicklung in Zürich ihre kirchentheoretischen Forschungserträge bei. Als Fachleute aus der Praxis brachten Dr. Thomas Ebinger aus Kemnat (Württemberg) und Stefan Kammerer aus dem badischen Gondelsheim ihre Erfahrungen aus der pastoralen Praxis ein. Mit Thesen zur Konfi-Arbeit der Zukunft, gemeinsam mit Dr. Sönke von Stemm (Münchehagen, Hannoversche Kirche) entwickelt, beförderten sie die Gespräche.

Falls der Beitragstitel Fragezeichen auf die Stirn zaubert:
Kreativ wurden die Podiumsbeiträge von den Konfi-Dozentinnen in Szene gesetzt. Konfus befragten die Kirche, was die Konfizeit ihnen zu bieten hat. Intergenerationale Gemeindearbeit von Konfis und Senioren wurde zum Konzept erhoben. Und überflüssige Konfi-Arbeit meint:
Ich gestalte meine Konfi-Arbeit so, dass viele Menschen ihre Gaben einbringen können. Die Arbeit gelingt immer mehr grundsätzlich auch ohne mich. Natürlich bringe ich meine Ideen auch weiterhin ein. Es herrscht im besten Sinn ein Überfluss an Ideen und Angeboten. Gute Konfi-Arbeit fließt über und bereichert das Leben in Kirche und Gesellschaft.

Infoportal zur Depression und psychischen Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen

„Wenn ich auf die Arbeit eine schlechte Note bekommen hätte, würde ich mich umbringen. Aber war ja gut. Ach, das Leben kann so schön sein ohne…“
Ein kleiner Gesprächsschnipsel zwischen zwei jungen Frauen by the way aufgeschnappt vorm Bahnhof in Oldenburg. Bestimmt war das nur so dahergesagt mit „schlechter Note“ und „umbringen“ und so.

Aber nicht immer kann man so sicher sein, dass bestimmte Ereignisse, die von außen betrachtet kein Drama sind, für die oder den Betroffene:n ganz andere Wirkungen haben. Erwiesen ist, das viele Kinder und Jugendliche oft lange warten, bis sie sich bei Problemen Unterstützung holen. Auch Eltern denken oft, sie müssten alles innerhalb der Familie lösen.

Nicht nur, aber auch weil mit dem November die dunkle Jahreszeit angebrochen ist und viele Kinder und Jugendliche psychisch stark unter den Folgen der Corona-Pandemie leiden, lohnt sich der Besuch auf einem m.E. gut gemachten und vor allem hilfreichen Internetportal.

ich bin alles

Hier werden Kinder und Jugendliche über Depressionen und psychische Gesundheit informiert – und mit einer anderen visuellen und sprachlichen Gestaltung ebenso Erwachsene.
Die Botschaft an die jungen Menschen: Wenn du zu viel Stress hast, dich antriebslos fühlst, deine Freund:innen sagen, du hast dich verändert hast, dann kann das ein Hinweis sein, dass du Hilfe benötigst. Und den Eltern soll klar werden: Wenn nichts getan wird, verschärft sich die Problematik.

Der Titel des Infoportals beschreibt zugleich das Anliegen: Kindern und Jugendlichen soll Mut gemacht werden im Umgang mit Depression und dem Thema ein wenig die Schwere nehmen –
ich bin traurig, ich bin glücklich, ich bin schlau, ich bin müde – das Leben hat ganz viele Facetten.
Jugendliche sprechen selbst über ihre Erkrankung, junge Moderator:innen interviewen Therapeut:innen, Erklärvideos beleuchten Krankheitsursachen und Behandlungsmethoden.

Das Portal will zur präventiven Gesundheitsbildung beitragen und die Aufnahme der Thematik in Schulen und anderen Institutionen anstoßen.