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Als ich vor 9 Jahren Dave Eggers dystopischen (auch so ein Wort, dass ich damals nicht kannte) Roman The Circle gelesen habe, war das schon ziemlich verstörend. Die großen Internet-Konzerne aus dem Silicon Valley schließen sich zusammen und überwachen das Konsumverhalten und zunehmend das Privatleben der Menschen.

Im neuen Buch von Eggers bringt die größte Suchmaschine The Circle gemeinsam mit dem größten Social-Media-Anbieter und der Fusion mit dem erfolgreichsten Online-Kaufhaus (verdeckt dschungle genannt nach einem großen (ehemaligen?) Regenwaldgebiet in Südamerika) in naher Zukunft (die 2030iger Jahre) das reichste und gefährlichste – und seltsamerweise auch beliebteste Monopol aller Zeiten hervor: Every. Every wie überall und immer da. Endlich ein Gefühl von Ordnung oder Die letzten Tage des freien Willens oder Grenzenlose Auswahl zerstört die Welt.

Gelingt es der aus verschiedenen Gründen widerständigen Delaney, den übermächtigen Konzern von innen heraus zu Fall zu bringen? Steht ihr Freund Wes ihr dabei zur Seite? Am Anfang ist die Motivation der ehemaligen Park-Rangerin glasklar. Aber es passiert viel auf dem Every-Campus, was ihre Gedanken und Gefühle durcheinander bringt… Und immer wieder stellt sich ganz nach Erich Fromm die Frage, ob es außer dem angeborenen Wunsch nach Freiheit auch eine instinktive Sehnsucht nach Unterwerfung gibt?

Mich hat dieser Page-Turner erstens gepackt und zweitens am Ende mit einigen Fragen zurückgelassen, u.a. was mein eigenes digitales Verhalten und meinen Umgang mit der faszinierenden Welt der digitalen Möglichkeiten betrifft. Sollte ich meine SoundLink-Box doch lieber ganz abschalten, weil am Ende jemand mithört? Ach quatsch, das gibt´s doch gar nicht. Oder doch?

Ab welchem Alter Every von Dave Eggers geeignet oder besser gut zu lesen ist, kann ich gar nicht so genau sagen. Aber drüber reden, Ausschnitte vorlesen und diskutieren geht auf jeden Fall auch in der Konfi-Zeit. Und mit Teamer:innen sowieso.


Früher war es Gott, der dein gutes Verhalten sah und dich irgendwann dafür belohnte. Heute weißt du in Echtzeit, ob du gut gehandelt hast und bekommst vielleicht sogar die Antwort auf die bisher im Internet noch nicht hinreichend beantwortete Frage: „Bin ich gut?“
Am Ende ist es eine Zahl zwischen 1 und 1000.

Wie kann die Kirche zukunftsfähig werden? Und was für eine Rolle spielt die Konfi-Arbeit dabei?
Mit diesen und anderen Fragen beschäftigten sich vom 8.-12. November die Konfi-Beauftragten der Landeskirchen auf ihrer Jahrestagung in Loccum.
Dabei entstanden einige Thesen, die angeregt diskutiert wurden.

Zum Schwerpunktthema „Konfi-Arbeit im Wandel von Kirche und Gesellschaft“ trug Dr. Sabrina Müller vom Zentrum für Kirchenentwicklung in Zürich ihre kirchentheoretischen Forschungserträge bei. Als Fachleute aus der Praxis brachten Dr. Thomas Ebinger aus Kemnat (Württemberg) und Stefan Kammerer aus dem badischen Gondelsheim ihre Erfahrungen aus der pastoralen Praxis ein. Mit Thesen zur Konfi-Arbeit der Zukunft, gemeinsam mit Dr. Sönke von Stemm (Münchehagen, Hannoversche Kirche) entwickelt, beförderten sie die Gespräche.

Falls der Beitragstitel Fragezeichen auf die Stirn zaubert:
Kreativ wurden die Podiumsbeiträge von den Konfi-Dozentinnen in Szene gesetzt. Konfus befragten die Kirche, was die Konfizeit ihnen zu bieten hat. Intergenerationale Gemeindearbeit von Konfis und Senioren wurde zum Konzept erhoben. Und überflüssige Konfi-Arbeit meint:
Ich gestalte meine Konfi-Arbeit so, dass viele Menschen ihre Gaben einbringen können. Die Arbeit gelingt immer mehr grundsätzlich auch ohne mich. Natürlich bringe ich meine Ideen auch weiterhin ein. Es herrscht im besten Sinn ein Überfluss an Ideen und Angeboten. Gute Konfi-Arbeit fließt über und bereichert das Leben in Kirche und Gesellschaft.

Bonhoeffer für Notlagen

„Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten. Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.“

Am 9. April – in diesem Jahr Gründonnerstag – jährt sich der 75. Todestag Dietrich Bonhoeffers. 1945 wurde er im Konzentrationslager Flossenbürg aufgrund seiner Mitwirkung im Widerstand gegen das nationalsozialistische Terroregime hingerichtet – kurz vor der Befreiung des Lagers durch die US-Armee.

„Nach zehn Jahren“ lautet die Überschrift über diesem Text, den Bonhoeffer 1943 verfasste, zehn Jahre nach Adolf Hitlers Machtergreifung und nach Beginn des innerkirchlichen Streits um die richtige Positionierung der Protestanten gegenüber dem nationalsozialistischen Staat.

Bonhoeffers theologische und persönliche Gedankenwelt begleitet mich zeit meines christlichen Erwachsenenlebens. Und ich staune immer wieder, wie klarsichtig, tiefsinnig und ermutigend seine Glaubensaussagen sind.

Ich kann diesem Text in der Karwoche 2020 gute Einsichten auch angesichts der global-existentiellen Corona-Krise abgewinnen – vielleicht geht es auch anderen so.

Die Ausstellung ist vorbei und die Zukunft steht in den Sternen… zumindest bei Jung & Konfi
Eine behutsam sortierte Auswahl dessen, was Besucher*innen durch unser Fernrohr gesehen und selbst dazu geschrieben haben, findet sich hier.

Wer übrigens das Prunkstück der Station „Fisch-Futter“ (noch) einmal erleben will, ist herzlich in die Arbeitsstelle für Religionspädagogik in die Haareneschstraße 58 in Oldenburg eingeladen. Dort schwimmt der KonFisch im fröhlichen Flurambiente. Und er kann auch gerne ausgeliehen werden…

KonFuture

2020 – Konfirmations-Livestream
2051 – Konfirmation auf dem Mars
2059 – Konfizeit ist online und geschieht per WhatsApp
2069 – Konfizeit ist fast ganz digital
2069 – Konfiunterricht sollte auf dem Mond stattfinden
2119 – In 100 Jahren gibt es in Deutschland keine Konfis mehr, weil alle aus der Kirche ausgetreten sind
2119 – In 100 Jahren sind wir alle tot – genau wie die Erde
Im 24. Jahrhundert wird das Wissen über Chips in den Kopf geleitet und man steht nur noch vor der Entscheidung, daran zu glauben
2419 – In 400 Jahren sind Kirchen out – Gott wohnt überall

  • Spaß haben – Freunde finden – coole Dinge unternehmen
  • Haustiere mitnehmen
  • Mehr Ausflüge – mehr Konfifreizeiten
  • Mehr Freizeiten
  • Es wird moderner
  • Die Konfizeit wird immer offener gestaltet
  • Die Konfizeit wird nicht mehr so streng sein und immer mehr Kulturen treffen aufeinander
  • Wie heutzutage
  • Die Konfizeit ist so, wie sie sein soll und soll nicht verändert werden
  • Ich denke, dass die Kirche viel wieder gutzumachen hat wegen der Missbrauchsfälle und dass dann auch wieder mehr Leute wieder zum Glauben finden
  • Ich stelle mir vor, dass in der Zukunft der liebe Gott noch immer auf uns schaut
  • Erderwärmung – Konfis lernen, übers Wasser zu laufen
  • Ich wünsche mir dafür: Mehr gemeinsame Zeit
  • Gott behüte uns
  • Konfizeit mit allen Religionen
  • Konfi – Bootcamp
  • Wie Führerschein – Konfirmation muss alle 15 Jahre erneuert werden
  • Christus lebt weiter – die Kirche und auch die Konfizeit werden sich ändern – aber ich hoffe, nicht zum Schlechten
  • Ich glaube, Konfi wird irgendwann nicht mehr existieren

DIGITALIEN
– In der Zukunft wird es wahrscheinlich sehr viel mehr Digitales geben
Alles funktioniert nur noch mit Hightech
– Ich stelle mir vor, dass man in der Zukunft über das Internet Konfirmation machen kann
– Konfis sollen mit Handys oder ähnlichem arbeiten
– Viele Dinge werden digitalisiert, aber ich glaube nicht, dass der Konfirmandenunterricht in Zukunft ebenfalls elektronisch ist
– Konfi mit elektrischen Geräten