160213-mt-KTT16-2-web-0167Thordis Paulsen ist Ehrenamtliche im Kirchenkreis Oldenburg-Stadt und arbeitet seit vielen Jahren mit hohem Engagement und großer Kompetenz mit im Konficampteam der Gemeinde Eversten. Ihre Erfahrungen in dieser Arbeit hat sie einfließen lassen in die Moderation des Konfi-Team-Tages am 13. Februar. Mit ihrem hinreißenden,komischen und berührenden Text hat sie auf die Gesichter vieler Teilnehmer*innen ein verständiges Lächeln gezaubert: Ja, das kenne ich auch! haben offensichtlich viele gedacht und sich mit heftigem Beifall bei Thordis bedankt.

Für alle, die beim Konfi-Team-Tag nicht dabei sein konnten und für alle, die den Text gern noch einmal genießen möchten, veröffentlichen wir ihn hier und heute:

Das machen wir mal eben!

6.00Uhr: Ich will nicht aufstehen! Ich. Will. Nicht.

Weckdienst. Die Mädchen aus 723 müssen duschen. Jede. Jeden Morgen. Und stylen. Mit einem Föhn. Da sind zwei Stunden nicht viel.

Um Sechs stehe ich an normalen Tagen auch auf. Aber da sind keine Herbstferien. Und ich bleibe nie NIE bis um Drei Uhr Fünfundvierzig wach. Ein Team hält nun mal zusammen. Auch bei der Nachtwache. Komischerweise nie beim Weckdienst.

Zimmer 723. Alles still. Leere Energiedrink-Dosen rollen vor meine Füße.

Aus den Stockbetten klingt regelmäßiger Atem. Liebevoll betätige ich den Schalter für das weiß-grelle Deckenlicht. Gestöhne, Gemaule.

Frühstück.

„Nein, wir fangen gemeinsam an.“

„Ja, es gibt noch Kakao. In der Küche“

„Nein, ihr seid heute wieder nicht als erste dran.“

„Ja, wir singen wie jeden Morgen.“

„Nein, ihr dürft noch nicht gehen, auch wenn ihr fertig sein“

„Ja ich bestehe darauf, dass du was isst.“

„Nein, auch heute machen wir Konfer“

Zimmer 723 kommt als letztes. Ungeduscht. Mit tiefen Ringen unter den Augen.

 

Blätter verteilen, Stühle rücken, Konfer.

Der Edding schreibt nicht mehr, das Material hält nicht an der Wand und wie immer gibt es genau eine Kopie zu wenig.

 

Rumgerenne zwischen verschiedenen Gruppen, zwischen Diakonen und Orga-Büro, zwischen Team und Pastoren, zwischen Materiallager und den kleinen bis mittelschweren Krisen des Lebens:

Charlotte hat sich auch die weißen Nike AirMax gekauft, obwohl Emely schon seit Wochen sagt, dass sie die zum Geburtstag bekommt und sowieso macht Charlotte Emely immer alles nach. Also will Emely ihr Zimmer wechseln, aber Hannah will nicht, dass Emely in ihr Zimmer kommt, weil Emely Lisa erzählt hat, dass Hannah nie duscht.

Das stimmt natürlich nicht.

Stimmt es doch.

Stimmt es nicht.

Kevin hat Heimweh. Lukas und Henry prügeln sich um den letzten funktionierenden Stift und wenn mir noch einmal jemand ganz vertraulich erzählt, das Sarah aus Zimmer 862 in Aaron aus dem Team verliebt ist, dann schreie ich!

 

Geländespiel fällt heute buchstäblich ins Wasser.

463 spielt trotzdem Fußball gegen 469. Ohne Jacke.

Alternativprogramm im Trockenen muss her. Material checken, Brainstorming, Aufgaben verteilen. Konfiszierte Energiedrinks bringen uns durch die Mittagspause.

 

Team und Seminarraum bereit für den Nachmittag.

Aufgeregtes Geschnatter, beschlagene Fenster.

Helen aus dem Team erklärt das Spiel zum dritten Mal. Danach nochmal.

Auf die Plätze fertig los!

Team 4 ist Gewinner! Nein! Team 2 war viel schneller! Nein! Die haben geschummelt!

„Hä? Nein?“ „Doch!“ „Achso!“

Nächstes Spiel

 

Und Abendessen.

„Nein, wir fangen gemeinsam an.“

„Ja, es gibt noch Gurke. In der Küche.“

„Nein, ihr wart heute morgen als erste dran.“

„Ja, wir singen wie jeden Abend.“

„Nein, ihr dürft noch nicht gehen, auch wenn ihr fertig sein“

„Ja ich bestehe darauf, dass du was isst.“

„Nein, morgen dürft ihr nicht länger schlafen“

 

Nach dem Essen: Abendandacht. Ein ruhiger Moment für alle. Irgendwo wird gegähnt. Ansteckung durch die ganze Runde. Hauptamtliche, Teamer, Konfirmanden – Alle sind müde.

Endlich Nachtruhe. Mädchen in Kleiderschränken von Jungs, Jungs unter Betten von Mädchen. Die selben fünf Lieder aus jeder Bluetooth-Box. Wahrheit oder Pflicht. Kevin kann vor Heimweh immer noch nicht schlafen. Emely vor Wut über Charlotte auch nicht. Und IIIIIh, Max hat Gesa geküsst.

 

Und ich könnte jetzt in Spanien an der Strandbar sitzen. Ohne Regen, ohne Augenringe.

Auf einmal kommt die unscheinbare Anne auf mich zu. Nimmt mich in den Arm.

„Das hat echt Spaß gemacht heute. Wenn ich größer bin will ich auch Teamer sein, ihr seid so cool. Vielen Dank!“

 

Lächelnd stelle ich meinen Wecker auf sechs Uhr.

Wer bitteschön braucht Spanien?

 

Text: Thordis Paulsen

Foto: Uwe Martens

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