Mut zur „Gottes“-Lücke

„Mose vernahm in seinem Inneren eine Stimme, die er Gott nannte“. *
So könnte man es ja auch formulieren. Zumindest, wenn man die menschliche Erfahrung des Mose in die Mitte stellt. Und dann könnte man darüber diskutieren, wie Mose dazu kommt, seine persönliche Erfahrung so zu benennen. Was es ihm bedeutet und welches Bild er von Gott hat…

Und schon sind wir mitten drin im Nachdenken darüber, wie wir mit Menschen über Gott und unseren Glauben ins Gespräch kommen können, die sich scheuen, das Wort „Gott“ bei spirituellen Erfahrungen ganz unvoreingenommen in den Mund zu nehmen. Die diese Stelle lieber erst einmal „leer“ lassen möchten. (Übrigens: Es gibt religionsgeschichtlich gute Gründe, den Namen Gottes nicht einfach so unbedacht zu verwenden…).

Diesen Perspektivwechsel im Gespräch mit jungen Menschen hat Dr. Gundula Rosenow an der Universität Rostock und im Religionsunterricht zu einem Konzept des „individuellen Symbolisierens“ weiterentwickelt, bei dem die Subjektorientierung konsequent im Vordergrund steht.
(Gundula Rosenow, Individuelles Symbolisieren. Zugänge zu Religion im Kontext von Konfessionslosigkeit, Leipzig 2016 – kann in der Medienstelle der arp ausgeliehen werden. Die unten aufgeführte Pyramidensiskussion wird 2020 in einem Methodenbuch ausführlich vorgestellt.)
Der Ursprung dieses Ansatzes in der Arbeit mit jungen Menschen liegt im Osten Deutschlands. Aber es lohnt sich, ihn auch für die Arbeit mit religiös unvoreingenommenen Konfis etc. auch „bei uns“ zu durchdenken.

Der Vortrag von Gundula Rosenow im Rahmen des diesjährigen Treffpunkts Konfi-Arbeit in Loccum (30.9.-1.10) warf noch einmal ein neues Licht auf die zahlreichen Workshops für die Konfizeit, von denen hier demnächst berichtet wird.

An dieser Stelle ein Vorschlag zu einer „Pyramidendiskussion“ zum Thema „Bekennen/Bekenntnisse“, geeignet sicher auch für ältere Konfis, Teams, Jugendgruppen und Erwachsene:
1. Notiere in einem Satz, was Du unter „Gott“ verstehst (3 min.)
2. Einigt euch in einer Gruppe von drei oder vier Personen auf nur einen Satz zum Gottesverständnis – nehmt einen der vorhandenen Sätze oder kombiniert die Aussagen (8 min.)
3. Zwei Dreier bzw. Vierergruppen setzen sich zusammen und bilden wiederum einen gemeinsamen Satz (8 min.)
4. Am Ende können die Gruppenergebnisse im Plenum vorgelesen werden.

Bei dieser Methode geht es nicht darum, die erarbeiteten Formulierungen inhaltlich zu beurteilen. Es geht darum, die Dynamik des Arbeitsprozesses zu beobachten. Ganz allgemein gesagt: Beim Austausch eigener Meinungen, besonders aber bei der Formulierung gemeinsamer Standpunkte kommt es zu Verallgemeinerungen, Verflachungen, Kompromissen… – es lassen sich also Strukturanalogien zur Entstehung von Bekenntnissen allgemein aufzeigen.
Viel Spaß!

*Für alle, die jetzt noch überlegen, wie denn dieser Satz vom theologischen Denken traditionell formuliert wäre: „Gott sprach zu Mose…“


Beauftragter für Konfizeit in der ELKiO, Pfarrer, Spiel- und Theaterpädagoge (AGS), Bibliologe, Geistlicher Begleiter - mehr über mich

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